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Stimmen zu "Gossenhauer" // Stimmen zu "Farbengeil" //

 

Stimmen zu "Farbengeil"

  • Die Juroren der Vereinigung Preis der deutschen Schallplattenkritik werten die Produktion
    Strom & Wasser: Farbengeil
    Traumton CD 4511 (Indigo
    als eine der künstlerisch herausragenden Neuveröffentlichungen des Tonträgermarktes im vergangenen Quartal und zeichnen sie daher aus durch Aufnahme in die Bestenliste 1/2008

  • Wer das ZDF Nachtstudio am 3.2. verpasst hat und nochmal reinschauen will, kann das hier tun www.zdf.de

  • Förderpreisträger der Liederbestenliste 2007:
    Strom & Wasser

    Konstantin Wecker schreibt in der aktuellen Ausgabe der Musikzeitschrift Folker! über Heinz Ratz/Strom & Wasser dazu:
    " Ist Heinz Ratz ein „dunkler Dichter“, wie er sich in seinem Gedicht „Der Absturz“ beschreibt, ein stürzender Ikarus, der den Himmel, den er nicht mehr Himmel nennen mag, in Stücke brechen will? Oder zeigt er uns etwas vom Himmel in seiner schaurig-schönen Poesie, am Abgrund aller guten Gründe?
    Ich glaube, er ist ein verzweifelt Hoffender, der sich ins Absurde rettet, der noch grinst, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, weil ihm da die besten Verse einfallen. Und er wäre nicht so kämpferisch, wenn er nicht voller Hoffnung wäre auf eine gerechtere Welt, er würde sich nicht so einmischen, wenn ihm der Zustand unserer Gesellschaft egal wäre, auch und gerade weil er das ohne Zeigefinger macht. Und wie er sich einmischt! Er singt auch da, wo's wehtut, in Clubs, die jeden Moment damit rechnen müssen, von rechtsradikalen Hohlköpfen aufgemischt zu werden, und er wird auch dann nicht plakativ und polemisch. Bei all seiner Begabung zum zynischen Gestus, ich spüre immer wieder aus seinen Texten, wie er die Menschen liebt, manchmal denk' ich sogar, dass er das nicht nur vor uns, sondern auch vor sich selbst nicht so recht zugeben will.
    Ab und zu mailt er mir neue Gedichte – er scheint aus einer nicht versiegenden Quelle zu schöpfen –, und nie habe ich das Gefühl, dass er sich erschöpft oder wiederholt. Sein einziges Problem als Autor ist: Er kann anscheinend keine schlechten Gedichte schreiben. Selbst, wenn mich ein Thema mal nicht so anspricht, es ist immer eine überraschende Wendung, ein gelungenes Bild dabei, das den Text lesenswert und anrührend macht. Das ist manchmal qualitativ – im positiven Sinne – so meilenwert entfernt von den Werken mancher wohlmeinender Kollegen, dass man sich fragt, ob der Mann nicht von einem anderen Stern kommt. Oder aus einem anderen Jahrhundert. So neu seine musikalische Gestaltung, seine Art aufzutreten ist, so unmodern und zeitlos ist er in seiner Reimkunst. Wer Kästner liebt hat seine helle Freude an Ratz. Der innere Rhythmus seiner Lieder holpert nie, ist stilsicher und schreit regelrecht nach Vertonung. Die steht oft scheinbar im Widerspruch zu den Texten, und das macht die Songs von Strom & Wasser gerade deshalb so eindringlich. Obwohl sich Heinz hemmungslos aller möglichen musikalischen Stile bedient, schafft er es, unverkennbar Ratz zu bleiben. Ist es seine Stimme, die nicht allzu wandelbar ist, aber immer authentisch und manchmal ganz schön unter die Haut geht? Ist es seine ganz und gar unkonventionelle Behandlung des E-Basses, den er eher wie ein Melodieinstrument einsetzt, denn als musikalisches Fundament?
    Die Presse schreibt zu Recht von ihm als einem begnadeten Bühnentalent, vor allem, weil er auch aus einem nicht zu versiegen scheinenden Fundus an Geschichten zu schöpfen vermag, Geschichten, die er nie gleich, aber immer klug formuliert zu erzählen versteht. Die Offenheit, mit der er mit seiner schweren Krankheit umgeht, ist atemberaubend. Kein weinerlicher Ton ist in diesen Erzählungen, fast schon erschrecken sie den Zuhörer durch ihre klare Analyse. Dabei bleibt Heinz Ratz immer poetisch, ohne ein Grundprinzip der Poesie aus den Augen zu verlieren: verschiedene Wirklichkeiten zu verknüpfen und keine gegen die andere auszuspielen, Gegensätze zu provozieren, um sie darauf wieder miteinander auszusöhnen, und bunt und vielfältig zu sein und differenziert, wo die so genannte Realität schwarz-weiß denkt und moralisiert.
    Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann schreibt: „Die Kunst ist nicht der Ort, an dem das Außergewöhnliche passiert, sondern an dem das in jeder Hinsicht Unzulängliche Ereignis werden kann.“ Ein Ort also, in dem durch die ästhetische Darstellung etwas aufleuchtet, was die Unzulänglichkeit, die Begrenztheit und die Unvollkommenheit unseres Handelns und Denkens übersteigt. Heinz Ratz ist vielleicht deshalb so ein wichtiger Künstler, weil bei ihm dieses Goethe'sche Unzulängliche zum Ereignis wird. Er macht sich und uns keine große Kunst vor, und ist gerade deshalb ein großer Künstler. Seit ich ihn entdeckt habe, mach' ich mir keine allzu großen Sorgen mehr um die Zunft der deutschsprachigen Liedermacher."
    www.folker.de, 11/2007

  • "Als Heinz Ratz & Mitstreiter mit Konstantin Wecker unter dem Motto "Nazis, raus aus unserer Stadt" im Frühjahr 2006 auf Tour durch den Osten gingen, kündigte die NPD in Halberstadt ihre "aktive Teilnahme" am Konzert an. Ergebnis: das Konzert wurde vom Landratsamt verboten, und auch in Hoyerswerda waren die Liederkracher unter diesem Titel nicht erwünscht, Begründung: Bei uns gibt's keine Nazis. Ratz machte weiter, und ist - nach überstandener Krebserkrankung - mit dem neuen Album stärker da denn je. Keiner macht derzeit in diesem Land derart politische Lieder ohne aufgesetzter Gefühlig- und Jammrigkeit, dafür mit unglaublich viel Sprachwitz und direkter Poesie. Das ist vielen Hamburger-Schule-Lads nicht hip und schick genug, Indie ist es schon mal gar nicht, dafür mutig und zeitlos. Ratz zerknackst nach cooler Brecht'scher Manier Bushidos Pornorap, tauscht mit dem Mond die Rollen, schreibt für ein schwerbehindertes Kind und pirscht sich im kratzigen Tom-Waits-Stil an die ganz großen Gefühle ran. Diese Musik spiegelt sich wie der Mond in der Gosse - großartig."
    www.terz.org, 12/2007

     

  • Intensiv mit unserer neuen Cd "Farbengeil" auseinanderhesetzt hat sich auch Yok - manchen besser bekannt als "Quetschenpaua":

    STROM & WASSER – Farbengeil
    (mal reingehört von Yok)
    Das mittlerweile vierte Album von Strom & Wasser seit 2003. Das klingt nach viel Kontinuität und Kreativität und so ist es wohl auch. Ein paar Dinge, wie beispielsweise das layout (wie immer von Reinhard Kleist in gekonnter „farbengeiler“ Comicform) sind auf den ersten Blick alte Bekannte. Auch die Handschrift von Heinz Ratz ist beim ersten Hinhören wieder deutlich zu erkennen. Die Band dahinter ist hingegen neu zusammengesetzt. Das Konzept bei Strom & Wasser diesbezüglich scheint relativ offen. So finden live-Konzerte in wechselnden Besetzungen statt, auch mal nur zu zweit oder zu dritt. Der wegweisende Kopf und Bauch ist dabei immer Heinz Ratz, der nahezu fast alle Texte schreibt, sie auch selbst singt und den Bass dazu spielt. Heinz hat einen riesen output, auch auf dieser CD sind wieder 17 Tracks (2 gesprochene Intros + 15 Songs) zu finden und keineswegs einfache ein bis zwei Minuten-Songs. Nein, die beteiligten Musiker_innen haben sich da in fast yedem Song recht fantasievoll ausgetobt. Das geht oft auf Kosten der musikalischen Eingängigkeit. Nix für die Charts also.
    Inhaltlich steckt einiges drin. Heinz singt immer schon und gerne für das Bunte, für die Vielfalt, äußert sich sehr klar gegen die Verknöchertheit, gegen die (extreme) Rechte und einmal mehr gegen Militarismus. Bei letzterem kommt sein bitterböser Zynismus besonders gut zur Geltung: „…sie (Soldaten) sterben gerne für billig Öl und Großkonzerne. Sie bluten pflichtbewusst…“ Das mag hier aus dem Kontext gerissen eher platt klingen, aber eingebettet in den sonstigen (schwarzhumorigen) Text im Rahmen der CD ist das ein gerngehörtes statement in einer Zeit, wo kein Tag vergeht, an dem öffentlich gerechtfertigt wird, dass auch die deutsche Bundeswehr überall in der Welt wieder ihre Nasen und Waffen in die bestehenden Konflikte reinstecken soll und darf.
    Heinz hat einen Song geschrieben, der „Lied von der schlafenden Armut“ heißt. Für mich eines der highlights auf der Platte, weil es ein Szenario beschreibt, wo diese Armut ein Gesicht bekommt und aufbegehrt. Und er beschreibt treffend: „….Es (das Unrecht) lächelt in Güte, wenn es zertritt. Es spricht von der Freiheit hinter den Mauern. Und von dem leider notwendigen Schritt. Das Unrecht kann sehr überzeugend bedauern….“ Die Antwort darauf, ist gleichzeitig ein Wunsch: „…Auch die schlafende Armut, auch die Armut hat Kraft!“ Einziger Kritikpunkt bei diesem Song, ist, dass mir eben dieses Wort „Kraft“ im gesungenen Ausdruck eine Nuance zu martialisch daherkommt, so dass mir dummerweise sofort Assoziationen wie „Rammstein“ dazu einfallen…aber andererseits drückt genau auch diese Martialität die Wut des Stückes gut aus. Eine streitbare Stelle also, aber das bin ich bei CDs von Strom und Wasser ya auch gewohnt. Mit Heinz streite ich ya gerne und er hält das zum Glück auch aus. Nur seinem dicken Fell ist es zu verdanken, dass wir seit ein paar Yahren überhaupt einen lockeren Kontakt pflegen, denn er hat gleich zu Beginn unseres Kennenlernes eine heftige Breitseite zur ersten Strom & Wasser – CD bekommen, die bestimmt nicht ganz leicht wegzustecken war.
    Bleiben wir aber bei „farbengeil“. Hatte mich gerade vertippt und dann stand da „Farbeigeil“…auch nicht schlecht. Der CD-Titel ist gewissermaßen Programm und ist vielleicht nur zu verstehen, wenn mensch Songs wie „Rote Milanin“, „Leichtes Lied“ und den „Aschemann“ in ihrer Tiefe versteht. Da ist von Leben und Tod die Rede. Da singt einer, der weiß, wovon er singt. Das hat der erlebt und das ist zu spüren. Es ist ein so klares und dennoch so schwermütiges Bekenntnis dazu, intensiv und bewusst leben zu wollen, die geilen Farben sehen zu wollen, für Sanftheit und Zärtlichkeit zu kämpfen…gegen das Harte, wie es auf der Vorgänger-CD schon anklang. In diesen oben benannten 3 Songs steckt ganz offenbar viel persönliche Emotion drin, da geht es ganz weit nach drinnen, auch nach unten, aber immer auch mit dem Blick Richtung Licht und Sonne. Vom „schweren Leid“ zum „leichten Lied“ sind es zwar einerseits nur ein paar verdrehte Buchstaben, aber andererseits ist es sicher ein längerer Weg, der eine Weile brauchte, um sich ihn in diese Form und in diese Erkenntnis zu formulieren. Im Originaltext liest sich das beispielsweise so: „…Alle Mühen vergebens. Aller Anspruch versiegt. O Rätsel des Lebens, auch der Stürzende fliegt…“ An anderer Stelle heißt es, dass „alle Vorsicht feige sei“, worüber ich ya schon wieder diskutieren wollen würde, mag aber auch hier gar nicht angebracht sein, weil der Kontext die Interpretation dieser Formulierung schon einengt. „Leichtes Lied“ ist für mich ein weiterer favorite auf dieser CD.
    Dann ist da plötzlich ein Lied wie „Träumerchen“, welches mich sehr berührt hat…musikalisch eher schwierig vertrackt, besonders in den parts neben dem Text, wie ich finde, aber textlich toll. Es geht um ein Kind mit handycap und darum, dass alles Leben seine Besonderheiten hat, alles Leben Sinn und Bedeutung hat. Heinz beschreibt sensibel die Situation um das Kind, die Blicke anderer Menschen, ohne zu voyeuristisch ins Detail zu gehen. Heinz setzt ein Zeichen für „besondere Liebenswürdigkeit“. Das Wort „Mitleid“ taucht nicht auf, sicher kein Zufall und ein sehr guter Griff, wie ich finde.
    Bei all der Auseinandersetzung mit dem Leben, bei all den malerischen Bekenntnissen für das Bunte, die in verschiedenen Facetten immer wieder in den Songs auftauchen, gibt es aber auch auch klare Worte gegen Blitzbirnen wie „Bushido“. In dem Song „Das Märchen von Dr. Calamachi“ wird klar Stellung bezogen gegen diese Art von homophobem und sexistischem Rap. Der Berliner Rapper wurde sogar öffentlich von der BRAVO supportet. Da freut es, dass mit diesem Song klar gesagt wird, dass auch so’ne Art von Kultur leider reichlich Auswirkungen auf das Verhalten etlicher yunger Menschen hat und es impliziert, dass wir uns klar dagegen stellen müssen.
    Die Eröffnung der CD übernimmt ein wunderbar trashiger Song, indem Maria Schneider im Duett mit Heinz singt und wütet. Der Dialog zwischen Teufel und Engel in der ersten Klasse kommt extrem rock’n’rollig und crazy daher. Ein guter Auftakt.
    Den Schluß findet die CD mit „dem ganz großen Wort“, welches sich da als die vielbesungene Zeile „ICH LIEBE DICH“ herausstellt. Das klingt vielleicht banal, aber zumindest mir ist dieses verletzliche Gefühlsbekenntnis ya tausendmal lieber, als dieses unsägliche Lied „Der Arsch meiner Freundin“ von der vorletzten Platte, welches ebenso aus der Feder von Heinz stammt.
    Beende ich also diese CD-Besprechung mit Zeilen aus dem Song „das kleine Chaos“, der musikalisch deshalb großartig ist, weil das besungene Chaos auch musikalisch durchaus auftaucht und sich mit bequemeren hörbareren Passagen abwechselt. Hier heißt es:
    „ Laß doch das kleine Chaos herein. Es ist wild und bunt. Laß doch die Stürme stürmisch sein. Man segelt am Besten mit einem NA UND“
    Eine launige CD, die ihren Schwermut nie ganz ablegt und die allen empfohlen ist, die zuhören können und sich von experimentellen und ungewöhnlichen sounds nicht abschrecken lassen.
    Yok
    November 2007-11-07

Stimmen zu "Gossenhauer"

  • "Interview mit Heinz Ratz anlässlich des Antifa-Konzerts in Halberstadt
    Musik als Brücke zum Herzen"
    Von Emma Weiß
    Ganzer Beitrag -> Neue Rheinische Zeitung, 4.7.2006
  • "Strom & Wasser, die Band des Punk-Poeten, musikalischen Kabarettisten und Bassisten Heinz Ratz (mit Gitarrist Pensen, Pianistin Fee Stracke und Trompeter Steffen Paul), spielt laut eigenen Angaben "akustischen Randfiguren-Skapunkpolkarock" - und das stimmt auch so. Heinz Ratz ist ein Liedermacher der extremen Art, und seine Band Strom & Wasser bietet auf ihrem dritten Album "Gossenhauer" wieder einmal ihren unikaten Mix aus "apokalyptischer Volksmusik" und "Akustik-Punk" mit Ska-, Reggae-, Polka- und Tango-Elementen. Für die soliden Grooves sorgt Drummer Benny Greb, der es versteht, das wilde musikalische Kabarett des Heinz Ratz rhythmisch adäquat zu inszenieren, besonders gelungen bei den Liedern "Panzerfahrer Jupiter", "Mondfrau" und "Mein & Dein".
    " Strom & Wasser", das sind klasse Musiker und ein moderner Poet, dessen Lieder so provokant wie sensibel, so schwermütig wie lebensfroh sein können, mitunter zudem mit geradezu makabrem Witz gesegnet." (RM)
    Sticks, 6/06
  • "Er bat mich zu sagen, wo es brennt"
    Heinz Ratz und seine Band Strom & Wasser kamen in die Schlagzeilen, als es der NPD in Halberstadt gelang, eines ihrer Antifa-Tour-Konzerte mit Konstantin Wecker zu verhindern. Ein Interview mit dem Liedermacher ->
    www.taz.de, 29.4.2006
  • "Wer die Frage, wie man "die Schwerstverbrecher" nennen sollte, naheliegenderweise mit "Präsident" antwortet und in seinem "CDU-Tango" die "Bundeskanzlerin" in einer Bar aufgabelt, und reimen lässt "ich will nen Zungenkuß, weil ich morgen wieder zu dem Alten muß" hat bei den Regierenden in diesem Land ohnedies sicher nicht das leichteste Standing. Aber was sich das Halberstadter Landratsamt vor wenigen Wochen leistete, als Heinz Ratz mit seinem mal leisen feinen und mal eher gemeinen tanzwütigen Projekt "Strom & Wasser" (Aktuelle CD bei Traumton: Gossenhauer) gemeinsam mit Konstantin Wecker unter dem Motto "Nazis, raus aus unserer Stadt" auftreten wollte und die neofaschistische NPD ihre "aktive Teilnahme" an dem Konzert ankündigt hatte, tut schon richtig weh: der Auftritt wurde de facto verboten, auch in Hoyerswerda waren kritische Lieder unter diesem Programmtitel von der Obrigkeit nicht gewünscht, mit der fast schon tragikomischen offiziellen Begründung, es gebe im Ort keine Nazis. Doch ans Aufgeben denken beide Liedermacher nicht, im Sommer wollen sie zurück nach Halberstadt. Bis dahin ist Ratz, den Wecker gern als einen der "stärksten und eigentümlichsten Talente der jüngeren Generation" bezeichnet, und aus nicht minder verständlichen Gründen lobt, das aus den schwermütigen Texten des Totalverweigerers, ehemaligen Obdachlosen und Hörbuchautoren "gefährliche Lebenslust und makaberer Witz hervorblitzen", solo in Deutschland unterwegs. Seine scharfzüngig formulierten Alltagsbeobachtungen, seine radikale Poesie und seinen Sprachwitz - und damit seinen Kampf gegen grauen Alltag und stumpfer werdende Gesellschaft - untermalt er in musikalischer Hinsicht übrigens mit einer Mischung aus Ska-Punk, Walzer, Tango und Akustik-Rock. "
    kulturkueche.de April 2006
  • "Wer eisern durch alle Ärsche kriecht, der wundert sich, wenn er nach Scheisse riecht ..." – der Song "Hartschalenkostüme" ist Marschmusik gegen die Verhärtung der Welt. Auf der dritten "Strom&Wasser"-CD provoziert Heinz Ratz wieder kräftig. Er ist ist eine Mixtur aus Tom Waits und Konstantin Wecker: Seine Musik ist wild und ruhelos und zärtlich, er grummelt und schleudert seinen Sprachgesang ins Ohr. Musikalisches Kabarett, apokalyptische Volksmusik, Liedermacher der extremsten Art, Punk mit Akustik-Instrumenten – dies Getöse eindeutig zu beschreiben, ist unmöglich. Man muss es selber hören.“
    Wertung: *****
    FACTS, März 2006
  • "Radikale Ansichten in intelligente Liedform gepackt. Heiz Ratz gehört zu der Gattung Performer, die kein Blatt vor den Mund nehmen, gerne provozieren und so ganz nebenbei menschliche Abgründe offen legen. Ein Punk der Songwriter-Szene, härter als Funny van Dannen, ähnlich schonungslos wie Götz Widmann. Zusammen mit ein paar Kumpels liedert er als „Strom & Wasser” mit erstaunlicher Instrumentalkompetenz, schlägt sich von Walzer zu Rock und Jazz, von Ska zu Tango. Die Themen reichen von der Geisteskrankheit einer singenden Makrele über eine betrunkene und männergeile Bundeskanzlerin bis hin zu brauen Nazi-Panzer-Fahrern. Das klingt heftig – und ist es auch. Aber immer vom Feinsten, Wortakrobatik und kommödiantischer Feinsinn von hohem Niveau."
    sound-and-image.de
  • "Liedermacher-Punk, Pöbel-Poet, wütender Provokateur, radikalpolitischer Entertainer – er ist wohl von allem ein bisschen, wie Heinz Ratz mit seiner Band Strom und Wasser in der Schaubude einmal mehr bewies. Der, der in den letzen Wochen zu ungewohnt großer Medienpräsenz kam, weil die peinliche Entscheidung des Halberstädter Vize-Bürgermeisters, ein von Ratz organisiertes Antifa-Konzert mit Konstantin Wecker aufgrund von Krawalldrohungen seitens der NPD abzusagen, bundesweites Empören provozierte (wir berichteten). Als Trio traten sie an, Ratz mit der Akustikgitarre, begleitet von Fee Stracke am Klavier und Benny Greb an den Trommeln. Im Koffer hatten sie ihren dritten Silberling Gossenhauer, von dem sie in rund zwei Stunden – neben vielen älteren Nummern – eine ausgiebige Kostprobe gaben. Er ist bekannt für seine radikale Direktheit, für seinen bitterbösen Humor. Mit politisch motiviertem Blick schaut Ratz auch in Kiel auf die Underdogs, die Modernisierungsverlierer, schimpft auf bürgerliches Establishment und etablierte Politik. Erklärt uns den Unterschied zwischen Terroristen und Rebellen, singt über Leisetreter und lästert über Besserwisser, über hypersensible Studenten-Mimosen und tanzt mit Angela Merkel den schlüpfrigen CDU-Tango. Ratz singt nicht nur, er schauspielert, nörgelt, schreit und keift zu einer wilden Mischung aus Akustik-Punk, Polka, Walzer, Tango. Musikalisch spielen Strom und Wasser sicher in der ersten Liga, denn was allein Jazz-Schlagzeuger Benny Greb an Snare, Toms und Becken abliefert, darf man wohl getrost genial nennen."
    Kieler Nachrichten, Karen Jahn, 18.3.06
  • „Heinz Ratz ist nicht nur ein sehr sympathischer Kollege mit einer erstaunlichen Bühnenpräsenz, er gehört sicher zu stärksten und eigentümlichsten Talenten der jüngeren Generation. Ich freue mich über einen Künstler, der über sich selbst nachdenkt, der Widerspruchsgeist, künstlerische Unbestechlichkeit und eine beinahe anarchische Lust am Provozieren mit großer Sensibilität, ja Verwundbarkeit vereint. Aus den schwermütigen Texten von Heinz Ratz blitzen gelegentlich gefährliche Lebenslust und makaberer Witz hervor. Eine Entdeckung!“
    (Konstantin Wecker)
  • Aufmüpfig und provozierend.“
    (Kölner Stadtanzeiger)
  • „ ....wie ein Blixa Bargeld zu den besten Zeiten der Einstürzenden Neubauten...“
    (Schnüss, Bonn)
  • „ Von Anfang an Sprachwitz und eine enorme schauspielerische Begabung!“
    (Süddeutsche Zeitung)
  • „ Strom&Wasser hielten die Lachmuskeln unter Dauerstrapazen.“
    (Die Welt)
  • „ Liedermacher klingt entschieden zu schwach für die Abgründe, die Strom&Wasser lustvoll ausleuchten.“
    (Kieler Nachrichten)
  • „ The highlight of the evening was undoubtedly the magnificent Strom & Wasser. They managed to combine the instrumental inventiveness of the jazz trio with the storytelling of folk and the energy of rock.“
    (Baby-tiger, Edinburgh)
  • CD-Tipp: Strom und Wasser: Spielt keine Rolle

    „ Der Schimmel, der das Brot bedeckt, der denkt,
    das Brot sei ihm von einem Gott geschenkt.
    “ Die Erde sei, so denkt der Mensch ja auch,
    zu seinem ganz persönlichen Gebrauch.“

    Diese Weisheit stammt von Heinz Ratz, der sich in Gedichtbänden wie „Apokalyptische Lieder“ als begabter, überwiegend dem Düsteren, Morbiden, „Gotischen“ zugewandter Lyriker präsentiert hat. „Tier aus der Gosse, die Augen gerichtet auf das Unheilvolle“ charakterisiert er sein Krafttier, die Ratte („Ratz“) und somit wohl auch sich selbst. Zusammen mit dem Gitarristen Peer Jensen nennt sich Heinz Ratz „Strom & Wasser“. Die neue CD der Formation lässt neben ernst gemeinter Anklage und skurrilen Schockeffekten auch einen wahrhaft grimmigen Humor durchblicken. Man ist als älteres Semester und 70ger-Jahre-Nostalgiker ja immer geneigt, der großen Zeit der kritischen Liedermacher nachzutrauern. Wecker, Wader, Degenhart – waren andere Zeiten damals, wir hatten alle noch Ideale! Wer meint, „die Jungen“ könnten so etwas nicht mehr, der sollte sich einmal mit Heinz Ratz befassen. Kann man den 37-jährigen überhaupt als Liedermacher bezeichnen? Nicht, wenn man dabei an Nettigkeiten à la „Ich bin Klemptner von Beruf“ oder „Komm Uschi, mach kein Quatsch“ denkt. Wenn man mit Liedermachern allerdings einen gewissen gesinnungsethischen und ästhetischen Radikalismus verbindet („Ich singe, weil ich ein Lied hab, nicht weil es Euch gefällt“ – Wecker), dann ist Ratz ein neuer Prototyp des Genres. Der Mann trägt seinen punkigen Nachnamen mit Stolz trägt, schont weder das Nervenkostüm seiner Zuhörer noch die Hörgewohnheiten derer, die sich gern vom folgenlosen Konsum „rebellischer Texte“ einlullen lassen. Ikarus, eine Lieblingsfigur vieler Künstler wie Reinhard Mey, mutiert bei Heinz Ratz zum brandschatzenden Prometheus, der die Götterburg in Flammen setzt. „Tausend Jahre schon steht der Götterthron, lebt in Saus und Braus, presst die Armen aus. Lebt in Blutgewalt, mitleidlos und kalt. Nun kommt Ikarus, der der brennen muss.“ „Spielt keine Rolle“ ist eine liebenswert-schnoddrige Verliererballade in der Tradition eines Manfred Maurenbrecher. „Herzexplosion“ skizziert in knappen Worten das Lebensgefühl des „wütend“ liebenden Rebellen zwischen überbordender Leidenschaft und schmerzbedingtem Erkalten im „Brustgemäuer“. Die Lieder stellen – trotz gelegentlicher kultureller Anspielungen – eher die Lebenswelt sozialer Brennpunkte (die „Gosse“) dar, vergleichbar dem authentischen Hip Hop. Schicksale von Getretenen und Verlierern, die hochkochende Wut und die Lebensgier der „Systemverlierer“, eine Nachbarschaft voller Neonazis und Spießer, die in ihren Wohnblöcken ihre Töchter vergewaltigen. Nicht alles gelingt dem künstlerischen Tausendsassa. Die Ballade von den reihenweise wegsterbenden „Zehn kleinen Nazilein“ ist nicht gerade ein Musterbeispiel christlicher Feindesliebe. Das krude Lied „Müllficken, Arschkacken“ scheint allzu sehr aus der juvenilen Lust geboren, sich an der Entrüstung im Gesicht prüder Bürger zu weiden. Letztere dürften die CD ohnehin nicht einmal mit der Pinzette anfassen. Die meisten derben Stellen der Texte stellen aber ernst zu nehmende Versuche dar, eine schonungslose und oft tatsächlich schockierend grausame Realität darzustellen wie sie ist. Der galante Herr Anton „will auch gern mit Kindern ficken“ und „Greisinnen mit Lederstricken den welken Leib zermatschen.“ „Komm zu Papa“ beschreibt den Kindesmissbrauch lakonisch und hart, aber mitfühlend mit dem Opfer. „Papa hat sie zerstört, Mama hat weggehört“. Und die Musik? Nun, wer „Strom und Wasser“ kauft, darf nicht erwarten, dass es wie Weihnachten mit Sarah Connor klingt. Der Sound ist rau, karg, ungehobelt, trocken und lässt auf diese Weise viel Raum für das Textverständnis. Der Bass von Heinz Ratz und die Gitarre von Peer Jensen bilden das Rückgrat des Klangkörpers. Banjo, Cello und Akkordeon setzen gelegentliche Akzente. Die klangliche und stilistische Bandbreite der Lieder ist in Anbetracht der nicht gerade üppigen Instrumentierung beachtenswert. Man fühlt sich an Punk, Ska, Skiffle und den musikalischen Minimalismus der Neuen Deutschen Welle erinnert. Bei „Spielt keine Rolle“ schlagen die Herzen im Dreivierteltakt, in „Komm zu Opa“ deutet Heinz Ratz mit Bee-Gees-Falsettstimme den „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakow an, und in „Dicker Kuchen“ meint man – 70ger Jahre-Nostalgiker aufgepasst! – gar Simon & Garfunkel säuseln zu hören. Heinz Ratz’ erstaunlich wandlungsfähige Stimme erinnert teilweise an die endpralle Raubeinigkeit eines Tom Waits, teilweise an die distinguiert-überdeutliche Diktion Max Raabes und manchmal sogar an die verspielt-androgyne Stimmakrobatik eines Ringsgwandl. Dies sind nur einige Assoziationen, die deutlich machen sollen, dass sich die CD jeglicher klaren Zuordnung vehement widersetzt. Hörspielelemente und Gespräche zwischen den Musikern (die sozusagen den Prozess der CD-Produktion dokumentieren) hinterlassen einen kalkuliert „unfertigen“ Eindruck und torpedieren so gekonnt den Mythos von der CD als einem durchgestylten, ästhetisch perfekten Gesamtkunstwerk. Leben, scheinen die Künstler sagen zu wollen, ist niemals so glatt. Es ist rau, sperrig und tut oft weh. Und doch gibt es dieses Aufflammen der Revolte und dieses Brennen vor Liebe – „gegen die Starre. Sprungbereit“.
    Roland Rottenfußer
    www.hinter-den-schlagzeilen.info

  • ?Er schreibt am Abgrund aller guten Gründe. Er schreibt, als hätte Lyrik nie zur Disposition gestanden. Er schreibt rhythmisch, hypnotisch manchmal und nie ganz frei von leisem Kichern oder feistem Grinsen. Bei einem Abend mit Ratz erkennt man die gewöhnliche Lesung kaum wieder.?
    Zett, Bremen
  • ?Heiteres steht neben Kritischem, Lautes neben Leisem. Der Abend bleibt in positiver Erinnerung, die beiden Bände ?Am Abgrund aller guten Gründe? und ?Die große Schwangerschaft? können empfohlen werden, aber der beste Ratz wird beim Lesen fehlen: Der Ratz, der viel gesehen und erlebt hat und seine Erfahrungen literarisch gekonnt und pointiert weitergibt und sein Publikum mit seiner ungezwungenen Art als kritischer Entertainer zu begeistern weiß.?
    Nordwest Zeitung, Oldenburg
  • ?Ratz gelingt die Gratwanderung, ernste Themen witzig rüberzubringen und sich dabei ohne moralischen Zeigefinger kräftig einzumischen.?
    Pforzheimer Kurier
  • ?Unwiderstehlich zieht Ratz das Publikum in seine surrealistische Alltagswelt. Seine Geschichten trägt der kreative Rohdiamant dann auch noch in nahezu perfekter Dramaturgie vor.?
    Mitteldeutsche Zeitung
  • ?Heinz Ratz ist ein begnadetes Bühnenphänomen: Seine Gratwanderungen zwischen zynischen Sittengemälden, nachtschwarzer Poesie und anarchischem Nonsense treffen ein überwältigtes Publikum und eine begeisterte Presse genau dorthin, wo ansonsten der Zeitgeist einer biederen social correctness herrscht: mitten ins Herz.?
    Schnüss; Stadtmagazin Bonn
  • ?Ist es Kabarett? Ist es Punk? Keine Schublade passt, wenn es um das Bühnenprogramm von Heinz Ratz geht. Wortgewaltig hingezauberte Sprachlandschaften. Ungeheuerliches im Untergrund. Drastisch, poetisch und voller überraschender Wendungen. Immer mehr möchte man von Ratz Geschichten und Gedichten hören, auch weil der Sohn einer peruanischen Indianerin schauspielerisch einiges zu bieten hat.?
    Kieler Nachrichten