El "Ratz"
(süddeutsch für Ratte: Tier aus der Gosse,
die Augen gerichtet
aufs Unheilvolle)
"Rebell wollt' ich werden" - Trailer zum Film von Diana Weilepp
1968
in Bonn geboren, als Sohn einer peruanischen Indianerin und eines deutschen
Medizinstudenten.
In den kommenden Jahren Umzüge nach Troisdorf, Wegberg, Lima (Peru), Lüdgendortmund
und Sarragossa (Spanien)
1972
Umzug nach Ehingen. Mein Vater eröffnet eine Praxis. Einschulung und Beginn
einer sehr problematischen Schulkarriere.
1976
Umzüge nach Tabuk (Saudi Arabien), Lima (Peru), La Chaux de Fonds (Schweiz)
1978
wieder etwas länger in Deutschland. Zunächst in Waldshut, dann Springe,
dann Kronach. Dort erste Schreibversuche, erste Liebe, erste Berufswahl als Flussforscher.
1982
komme ich ins Jesuitenknabeninternat St. Blasien. Autoritäre Erziehung mit
körperlicher Züchtigung. Rausschmiß wegen unangepasstem Verhalten
nach einem dreiviertel Jahr. Kurz in Waldshut, dann Osterholz-Scharmbeck.
1985
Auswanderung nach Argentinien. Erst Mendoza, dann Buenos Aires. Dort in ein Heim
für Straßenkinder. Rausschmiß nach gescheiterter Revolution
gegen die Heimleitung. Wieder in Mendoza, schließlich zurück nach
Bonn, Nobel-Internat „Otto-Kühne-Schule“. Eine Lehrerin weigert
sich, die Klasse zu unterrichten, solange Heinz Ratz sich darin befindet. Der
Fall schafft es bis in die BILD-Zeitung. Rausschmiß mit lebenslangem Hausverbot
wegen mangelnder Unterordnungsbereitschaft. Es folgen als Wohnorte Münchberg
und Augsburg und wieder Bonn, wo ich alleine eine kleine Bude beziehe und
1988
meine Schullaufbahn ohne Abschluß beende. Abbruch der Schauspielschule
nach vier Tagen. Beginn, selbstständig Theater zu spielen (Straßentheater,
kleinere freie Gruppen). Disqualifikation bei einem Theaterwettbewerb in Münster,
weil mein Monolog „unmöglich von einem 20jährigen selbst verfasst
sein könne.“
1989
Arbeit als Übersetzer bei Inter Naciones. Fristlose Kündigung, als
ich aufzudecken versuche, daß bei einem Dokumentarfilm über die Abholzung
des Regenwaldes die Verwicklungen deutscher Firmen nicht mit übersetzt wurde.
1991
Zivildienst mit Hindernissen. Protest gegen ein unmenschlich geführtes Altersheim
führt zu Verhören, drohenden Gerichtsverfahren, finanzieller Not. Beschließe
eine Totalverweigerung. Werde gesundheitlich ausgemustert.
1992
obdachlos. Künstlerische Erfolglosigkeit, die schon geplante Fahnenflucht,
eine überraschende Kündigung, das Ende meiner ersten langjährigen
Beziehung und eine unglückliche neue Liebe führen dazu.
1993
Eine nicht verheilende Nierenentzündung und das Bewusstsein, als Obdachloser
eine komplett ohnmächtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen, bringen
mich dazu, mir wieder Arbeit und eine Bleibe zu suchen. Beginne Theater zu spielen
und arbeite als Türöffner beim Schlüsselnotdienst.
Der Kölner Schriftsteller und Herausgeber Axel Kutsch veröffentlicht
im Landpresse-Verlag meine ersten beiden Gedichtbände „Doppelt laut“ (vergriffen)
und „Tanz den Tod! Heinz Ratz! Die Uhren hämmern!“ (vergriffen).
1994
Umzug nach Ispringen und Pforzheim. Dort Gründung meiner ersten Band „Krakatit“
1995
erscheint bei BSE-Records „Kotzender Frohsinn“ – meine erste
Cd mit Krakatit.
1996
Umzug nach Augsburg und Bremen. Schreibe zahlreiche Gedichte und ein Theaterstück
zu Bildern des Augsburger Surrealisten Wolfgang Lettl. Große Armut. Kaum
in der Lage, das nötigste zu essen zu kaufen. Lebe mietfrei in einer heizungslosen
Hütte in Lechhausen. Schreibe viel, bringe mir selbst das Bass-Spielen bei.
1997
meine zweite langjährige Beziehung zerbricht. Pläne, nach Sheffield
auszuwandern scheitern. Zweite Cd von Krakatit „Grauer Mann tanzt“ erscheint.
Gleichzeitig löst sich die Band auf. Lebe ohne Einkommen in einem Bauwagen
auf einer Pferdekoppel in Pforzheim.
1998
Umzug nach Glasgow. Verdiene Miete und Lebenshaltungskosten durch Straßentheater,
Tanz und Trommeln. Ende des Jahres zurück nach Deutschland. Kleine Wohnung
in Heidelberg. Mein Sohn wird geboren.
1999
erneuter Umzug nach Glasgow. Auf dem Weg dorthin Krebsdiagnose. Operation und
einmonatiger Krankenhausaufenthalt in Bonn. Dann doch nach Glasgow. Neugründung
der Band „Krakatit“ mit schottischen und baskischen Musikern und
einem neuen Konzept. Lieder über das Leben in den Slums von Glasgow. CD „The
Devil travels first Class“ (vergriffen).
Der Alkyon-Verlag veröffentlicht „Die große Schwangerschaft“ (Kurzgeschichten).
Mit Krakatit Auftritte in Schottland, England und Deutschland.
2000
Umzug nach Karlsruhe, da ich in Schottland meine Familie nicht ernähren
kann. Arbeite als Hörspiel-Sprecher für den SWR und Deutschlandfunk
und als Hilfskraft für Bühnenaufbau. Der Geest-Verlag veröffentlicht
den Gidichtband „Am Abgrund aller guten Gründe“ (vergriffen).
Planung eines vierten Krakatit-Albums scheitern. Bandgründung mit Berliner
Musikern, Konzept-CD über das Leben von Billy the Kid – scheitert.
Auftritte vorwiegend mit Lesungen.
2001/2002
Aus dem akustischen Begleitprogramm für meine Lesungen entwickelt sich „Strom & Wasser“,
meine jetzige Band. Zunächst als Duo mit Sid Wheelan, dann mit Tino Valenta,
schließlich mit Peer Jensen an der Gitarre.
Veröffentlichung der sehr erfolgreichen Hörbücher „Ich bin
des Regebogens angeklagt“ (vergriffen) und „Das RR-Projekt“ (Hörzeichen
Verlag), in denen ich fremde Lyrik vertone und spreche. Gewinn des SWR-Poetry-Slams.
Erste Portraitsendungen im Rundfunk.
2003
Edition AV veröffentlicht „Hitlers letzte Rede“. Trotz massiver
Bedrohung durch die SSS und anderer faschistischer Gruppen Tournee in Sachsen.
Zunehmende Zuschauerzahlen auch bei Strom & Wasser-Konzerten.
Geburt meiner Tochter.
2004
erscheint die erste Strom & Wasser Cd „Randfigurenkabinett“.
Umfangreiche Tour als Vorprogramm von Götz Widmann. Von nun an rund 100
Konzerte jährlich. Als drittes Hörbuch erscheint „Das erfundene
Leben“ im Hörzeichen Verlag. Mitwirkung im Jazz-Hörbuch „Nachts
auf Tour“. Ende des Jahres veröffentlicht Edition AV meinen Lyrikband „Apokalyptische
Lieder“ und das antifaschistische Epos „Die Rabenstadt“.
2005
Umzug nach Kiel. Das zweite Strom & Wasser Album „Spielt keine Rolle“ erscheint.
Edition AV veröffentlicht eine umfangreiche Sammlung mit grotesken Erzählungen
unter dem Titel „Der Mann der stehen blieb“. Schottlandtournee mit
Strom & Wasser. Ende meiner Sprechertätigkeit für den Rundfunk.
170 Auftritte bundesweit.
2006
bitte ich Konstantin Wecker, mich bei einer Tour zugunsten von Antifa und alternativen
Jugendzentren in Ostdeutschland zu unterstützen. In Halberstadt beugt sich
der Bürgermeister dem Druck der NPD. Das Konzert wird abgesagt. Das führt
bundesweit zu Protesten und wird sogar im Bundestag diskutiert. Im Mai spiele
ich Bass für Götz Widmanns Cd „Habt euch lieb“. Abbruch
der Aufnahmen durch Bandscheibenvorfall. Kaum genesen folgt die Diagnose meiner
zweiten Krebserkrankung. Alle Konzerte abgesagt – Operation. Ein Monat
später beugt sich der Halberstädter Bürgermeister dem Druck der
Medien. Konzert mit Hannes Wader, Konstantin Wecker, Hans Eckard Wenzel und Strom & Wasser
in Halberstadt.
Umfangreiche Tour im Herbst. Traumton Records veröffentlich „Gossenhauer“ – das
dritte Strom & Wasser Album. Ebenso mein Hörbuch „Leuchtet Ihre
Uhr des Nachts?“ – mit Texten von Klabund. Der Verlag Edition AV
veröffentlicht „Tourgeschichten“. Trotz der Erkrankungen weit über
100 Konzerte. Ende des Jahres Trennung von der Mutter meiner Kinder. Ein Tag
vor Weihnachten Diagnose meiner dritten Krebserkrankung.
2007
krankheitsbedingte Absage des bereits komplett organisierten „Lauf gegen
die Kälte“, Absage aller übrigen Konzerte und Lesungen. Kampf
gegen die Krankheit. Treffe neue Musiker, die trotz der ungewissen Zukunft mit
mir arbeiten wollen. Treffe Lanita, meine große Liebe. Treffe Entscheidungen,
die mich überleben lassen. Traumton-Records und mein Tontechniker Bente
Faust halten mir die Treue: im Sommer produziere ich, völlig bankrott, das
vierte Strom & Wasser Album „Farbengeil“. Ab Herbst wieder auf
Tour. Im Oktober erhalten wir den Förderpreis der Liederbestenliste.
2008
starte ich im Januar die erste Etappe meines moralischen Triathlons: den 2007
abgesagten „Lauf gegen die Kälte“ - www.laufgegendiekaelte.de – Begleitet
von den Pianisten Enno Dugnus und Dominik Dittrich laufe ich 956 km durch Deutschland
und gebe 30 Konzerte zugunsten von Obdachlosen und gegen den Sozialabbau. Unsere
Gäste sind u.a. Stoppok, Arnulf Rating, Götz Widmann, Gerburg Jahnke
und Jochen Malmsheimer. Wir schaffen es, ca. 20.000 Euro zu sammeln. Umfangreiche
Konzerttourneen im Frühjahr und Herbst. Im Sommer erhalten wir den Preis
der dt. Schallplattenkritik für unser Album „Farbengeil“. Im
Herbst erscheint der Konzertmitschnitt „Live in Rudolstadt“.
2009
Als Anfang des Jahres der Karlsruher Percussionist Claudio Spieler zu uns stößt,
habe ich mein Strom & Wasser Dream-Team zusammen. Als weitere Percussionistin
und am Xylophon: Maria Schneider. Am Schlagzeug: Benny Greb. Am Klavier: Enno
Dugnus. Gitarre: Ingo Hassenstein. Saxophon & Querflöte: Arne Assmann.
In dieser Grundbesetzung produzieren wir das fünfte Strom & Wasser Album „Emotionsdesign“.
Im Mai starte ich die zweite Etappe meines moralischen Triathlons: „Die
Lee(h)re der Flüsse“. In enger Zusammenarbeit mit dem Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schwimme ich 868 km durch deutsche
Flüsse und gebe 50 Konzerte zugunsten von Artenschutzprojekten. – www.flussprojekt.de – Unsere
Gäste u.a. Konstantin Wecker, Manfred Maurenbrecher, Anka Zink, Bodo Wartke.
Die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit ist enorm: mehr als 200 Zeitungsartikel
erscheinen, zahlreiche Radio- und Fernsehsender berichten. Spendenbereitschaft
und Unterstützung durch Städte, Politiker und Umweltschutzverbände
fallen allerdings gering aus. Ich stelle fest: die Gier nach Sensationen ist
groß, die Bereitschaft zur Veränderung nicht.
Fortsetzung folgt!
PS: Preis der deutschen Schallplattenkritik auch für unser Album „Emotionsdesign“.